Zebra

Noch zufälliger als die "Fat Paula" ist meine zweite selbst gebaute E-Gitarre entstanden:

 

das "Zebra"

 

Vom Bau eines Cajons für meine Frau ist ein ziemliches Stück Zebrano-Holz übrig geblieben. Eigentlich war es gerade groß genug für ein übergroßes Stullenbrett.     Ein Urlaub stand an.

Ich packte das Stück Holz, zusammen mit einer Handstichsäge, einer Raspel, zwei Schraubzwingen, Leim und einigen Kleinteilen ein.

Dazu ein übrig gebliebener Ahornhals von einem Thomann Bausatz. Das Ganze sollte mir im Urlaub als ausgleichende Beschäftigung dienen, falls mir langweilig wird.
Ab und zu war mir langweilig.

 

Ohne einen konkreten Plan begann ich zu basteln. Fest stand lediglich, dass es eine E-Gitarre werden sollte. Eine sehr kleine, da das Holz für den Korpus knapp war. Damit sie nicht zu klein wird, habe ich den Zebrano-Holzblock einmal längst in der Mitte durchgesägt. So wurde zwar die Fläche größer, aber der Body auch verdammt dünn. Ohne genau zu wissen ob ich da überhaupt die Elektronik einbauen könnte, machte ich weiter und hielt am Ende des Urlaubs ein interessantes, gut spielbares Instrument in den Händen. Zebranoholz ist übrigens furchtbar schwer zu bearbeiten. Einmal und nie wieder!
Nach dem Urlaub begann dann das große Rätselraten. Welche Pickups, welche Schaltung und so weiter. Nachdem ich ein übergroßes Pickguard gefertigt hatte, waren ein paar entscheidende Millimeter gewonnen und das Innenleben fand seinen Platz.
Mein Dank gilt auch hier wieder dem Gitarrenbauer Johannes Reyels aus Berlin. Ohne seine Hilfe wäre mein Zebra nie zum Leben erwacht!
Eine Göldo Tele-Bridge, Kluson Locking Mechaniken und Seymour Duncan Pickups (Hot Rail am Hals und einen Hot T-Stack am Steg) wurden montiert und die Pickups mit dem gleichen Freeway Switch und der gleichen Schaltung wie die fette Paula verdrahtet.
Ich hoffte auf eine gute Gitarre zum Slide-Spiel. Lange habe ich mit dem "Zebra" versucht den Slide-Sound zu erzeugen, der mir in meiner Fantasie vorschwebte.                                           Es hat einfach nicht gepasst.
Das "Zebra" spielt sich wirklich ausgezeichnet, ist sehr handlich und hat sowohl akustisch als auch verstärkt einen geilen Sound. Nur zum Bottleneck passt es irgendwie einfach nicht.
Ich habe eine ganze Weile gebraucht um das zu akzeptieren. Schließlich erkannte ich dann aber, dass da eine saugeil klingende super Solo-Gitarre entstanden ist. Akkorde sind nicht so ihre Stärke. Ihr aber einzelne Töne zu entlocken ist eine wahre Wonne. Es bereitet mir unheimlich viel Freude auf dem "Zebra" zu improvisieren.

Für Soli ist sie mir mein liebstes Instrument.


schlankes Profil: das "Zebra" ist an der dünnsten Stelle gerade mal 2 cm stark (ohne Pickguard)


der sehr geschmeidige Übergang vom Hals zum Korpus ermöglicht ein Spielen bis in den höchsten Lagen ohne jeglich Anstrengung


dem stark gemaserten Zebrano verdankt das "Zebra" seinen Nahmen


die Kopfplatte wurde, passend zu Pickguard, ebenfalls mit dem auffälligen Makassar laminiert,

die Abdeckung für den Halsstab habe ich aus einem kleinen Rest Zebrano gefertigt